Donnerstag, 25. Juni 2009

lutherstrasse.











nichtsahnend setzt man sich vors prinz willy in einen der schicken grünen clubsessel aus DDR-armeebestand, ordert cappuccino und sinnt chillenderweise den seifenblasen nach, die heute von seglerfreundlichen sturmböen um die hausecke getrieben werden, da bekommt man mit selbstverständlicher geste zettel und kugelschreiber hingelegt. "ganz vergessen,heute ist quiztag." ich blicke auf drei zusammegetackerte DIN-A-4-seiten, doppelseitig mit fragen bedruckt, die mir auf den ersten blick ein müdes lächeln entlocken, da ich den jackpot schon in meiner tasche wähne. aber schon im weiteren verlauf von seite eins setzt rasch die verunsicherung ein. warum sollte es auch beim kampf um die sechs- euro-palme anders zugehen als bei günther jauch?die ersten fragen total baby, und dann ohne vorwarnung der schuss vor den bug, und so geht's weiter, progressiv voranschreitend. ich sah mich gezwungen, aus meiner offiziers-lounge auf einen richtigen stuhl an einem richtigen tisch zu wechseln, nicht nur, weil sich die fragebögen im windkanal meines bisherigen standortes gebärdeten wie die kieler-woche-flagge am mast, sondern auch, damit ich mir ein kleines desktop bauen konnte, auf dem das griffbereite handy eine wichtige rolle spielen sollte. war es mir anfangs noch etwas unangenehm, bei der inanspruchnahme meines telefonjokers beobachtet zu werden, so dass ich sms-kontakt vorzog, entblödete ich mich wenig später nicht mehr, meine fragen laut und für die umwelt deutlich hörbar auszusprechen, zumal ich sah, dass auch an den anderen tischen die raterei nicht ohne kontroverse diskussionen vonstatten ging. allein...mein joker erwies sich auch nicht grad als die erhoffte hilfe. und nachdem ich dann 70% ins blaue hinein geraten habe (oder 80), outete ich schamhaft meine email-adresse, für die gewinnbenachrichtigung, eine sinnlose aktion, da es schon mit dem teufel zugehen müsste, sollte die bei mir eintreffen. ich erinnerte mich dunkel an trivial-pursuit-runden meiner jugend in gegenwart eines begehrten objekts. so das gefühl war es ein bisschen heut. auch vor gefühlen macht retro nicht halt.
ich fand allerdings, dass willy-hündin leyla mich nicht unbedingt so hätte angucken müssen, als sei ihr von vornherein klar gewesen, dass mit mir bei solchen quiz-shows kein staat zu machen sei...


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