Dienstag, 28. September 2010

mit lars jensen bei überschall.


 
tears for beers haben sich nach fast zwei jahrzehnten aufgelöst. zumindest in der bisherigen form, mit frontman lars jensen, wird es die band nicht mehr geben.
lars hat dafür jetzt eine solo-cd aufgenommen und hat sich meine wenigkeit dafür eingeladen.


ganz anders als bei tears for beers wird auf dieser scheibe nicht infernalisch abgerockt ;)- sondern es gibt ruhige und lyrische stücke aus larsens feder, die er  mit sehr wohltönender softer stimme vorträgt.


dazu spielt er natürlich in der gewohnten virtuosität sein instrument, die irish bouzuki, mit ihrem schillernden, obertonreichen sound.
ich hatte die ehre, dieser cd flötenimprovisationen und fiddle-linien zufügen zu dürfen, und wie man auf den fotos sieht, handelte es sich um eine sehr lustige aufnahme-session ( die aber nicht den nötigen ernst vermissen liess!) bei "linne"-andreas linnemann in den legendären  überschall-tonstudios  zu kiel, wo die kunst schon vor der tür beginnt, nämlich bei der parkplatzsuche.


diese woche noch wird abgemischt. auf das endprodukt bin ich sehr gespannt!

Montag, 27. September 2010

omi lie und die poesie des sonntagsbratens.


in den achtziger jahren lebte ich in einem romantischen jahrhundertwende-haus am eichhof. eine riesige wohnung (so kam's mir damals vor), die schon von meinen urgroßeltern angemietet war, zu zeiten, als man ein hausmädchen hatte, für das es unterm dach eine mansarde gab. eine bel étage mit stuck an den decken, dielenböden, terrazzo in der küche, zwei balkonen und rolltoren zwischen den zimmern, sowie "ghosts in the corners". selbstverständlich unrenoviert. türgriffe von 1906. mein schlafzimmer hatte zwei schmale balkontür-flügel nach hinten zum alten baumbestand des eichhofs hinaus. die b76, die jetzt an dieser häuserecke vorbeirauscht, gab es damals noch nicht. es war ruhig.


ich erinnere mich an einen sonntag morgen im sommer, als meine balkontür weit offen stand. ich liebte diesen blick durch das rostige jugendstil-geländer in die dichten baumkronen der angrenzenden parklandschaft. nach einer in meiner stamm-disse "american" durchdancten nacht - ich frag mich heute, wie das ging, um ein uhr nachts angefangen, um sieben uhr morgens nach hause gefahren (zu der zeit komplett alkoholfrei)-und anschliessendem harten schlaf auf dem damals obligatorischen futon erwachte ich nicht von einem wadenkrampf, sondern von einem sanften windhauch, der mir einen unglaublich guten geruch in die nase trieb: rinderbraten mit grünen bohnen, pfeffer und butter. es konnte nichts anderes gewesen sein.
ich kannte den duft von den speisen, die meine omi zu zaubern pflegte. sie war eine absolute ausnahmeköchin. jeder aus meiner familie würde mir heftig nickend zustimmen und sofort drei, vier ihrer mit magischen händen hergestellten gerichte nennen, die ihm besonders wertvoll waren. ich ärgere mich sehr, daß ich mich nicht beizeiten mit ihr hingesetzt habe und all ihre rezepte, kniffe und tricks aufgeschrieben habe. sie hatte das kochen übrigens richtig gelernt, auf einem gut. und so schmeckte das alles auch, so wie ich mir eine  gutsküche vorstelle.
das lob: "die sauce (oder was auch immer, aber ich glaube, die saucen standen ganz oben auf der hitliste) schmeckt fast wie die von omi lie" wird in unserer familie nur nach eingehender vorheriger prüfung und wohlüberlegt ausgesprochen, aber wenn es jemandem zuteil wird, errötet derjenige zutiefst und sein lächeln verschwindet für die nächsten 48 stunden nicht mehr.
alles, was omi lie kochte, hatte diese ganz spezielle aura, und wer das einmal erlebt hatte, sprach oft davon und blieb auf der vergeblichen suche danach.
sie konnte mit essen bezaubern und entzweien. mein anderer großvater setzte einst eine sauciere an und trank den inhalt einfach aus. was bei seiner frau eine heftige eifersüchtige verstimmung erzeugte.
es gibt leute mit heilenden händen, und es gibt leute, die dem essen etwas zufügen durch ihre berührung, ihre gedanken, ihre konzentration, ihre liebe, und sei es, daß sie eine scheibe toast mit butter (natürlich der guten "grasbutter") bestreichen, die anders schmeckt, als wenn man es selber tut. vielleicht  handelt es sich dabei ja um gaben, die früher, als wir in gesellschaften lebten, in denen weise frauen und schamanen ihren festen platz hatten, eine tragende rolle gespielt haben. wer weiss?
ganz bestimmt aber wird omi lie noch manches mal durch meinen blog geistern.

und wie kam ich nun darauf?
manchmal, an ruhigen wochenenden, mache ich einen klassischen sonntagsbraten.
immer muss ich daran denken, an diesen einen warmen sonntagmorgen in der alten familiengründer-wohnung, und an meine so göttlich gekocht habende omi lie und ihr kleines fachwerkhaus in dem riesigen verwunschenen garten in wittland, als es noch grüngürtel kiels und nicht gewerbegebiet hiess.  diese lie'sche küche mit dem ganzen improvisierten drumherum auf ihrem verwilderten, wunderschönen grundstück mit der wäscheleine und dem umgekippten apfelbaum gehört zu meinen wertvollsten erfahrungen, zu dem, was das leben wirklich zu bieten hat.



am heutigen sonntag hat der braten nicht nur das terminfreie, verregnete wochenende zum anlass, sondern auch einen großen korb voller kartoffeln, zwiebelchen und schnittbohnen aus mamis garten. die letzten grünen bohnen wohl für dieses jahr. womit kann ich sie angemessener ehren?

Sonntag, 26. September 2010

Freitag, 24. September 2010

nachtlied.



die stadt schläft nie
tastende lichtkegel
schleichender autos
reifen pladdern leise
übers pflaster

aber weiter draussen
senkt sich die stille
übers land

und die dunkelheit
mit feuchter kühle
und dem muhen einer kuh

die nacht zieht
ihre schwere schwarze decke
über einen traurigblauen himmel
in dem ein einziger stern
einsam funkelt
wie ein diamant

der nebel setzt 
kleine perlen
auf das gras
am strassenrand

weisst du noch
die wasserschweren narzissen
die gelben köpfe gesenkt
schwankend
am fahrbahnrand
im kalten regen
im märz

irgendwo in der stadt
als wir gingen und gingen
die  endlose strasse 
in der rabenschwarzen nacht

du und ich
mit herzen aus blei
immer weiter neben uns
der vorbeipeitschende verkehr

mein fuss
berührt heute
die kalte erde
und spürt
den letzten stich
einer müden brennessel
wie eine verheissung

auf einen sommer in dem
das herz so leicht ist wie
ein blütenblatt im wind

wie ein blütenblatt

im wind

Dienstag, 21. September 2010

jamie's kürbis.



in den letzten jahren fand ich kürbis immer ganz nett so.
den großen hype darum konnte ich allerdings höchstens der optisch sehr ansprechenden stellagen mit malerisch aufgetürmten bergen der sonnig leuchtenden früchte wegen verstehen.
auch bietet der kürbis als solcher spielkindern wie mir breite anwendungsmöglichkeiten im event-bereich, wie zb eine suppe in so einem riesending serviert (herrlich, das "aaaaah" und "oooooh" aus zehn kehlen, wenn man die tochter des hauses mit dem knallorangen natur-suppentopf ins zimmer schickt). oder die kleinen hokkaidos, einfach mal so schick als ganzes mit hackfleisch und reis gefüllt. und natürlich: so blöd ich dieses halloween-getue finde (komisch-was hab ich bloss ohne halloween getan während meiner adoleszenz?), aber so ein jack o' lantern, selbstgeschnitzt, vom gartentisch frech ins wohnzimmer grinsend, das hat schon was.
genug der vielen worte-zwei kürbisse stechen aus der menge der artenvielfalt, da sie sich durch wo etwas wie eigengeschmack abheben, das ist zum einen der muskat-, zum anderen der butternuss-kürbis, oder, wie aba ihn nennt: butternut squash. den braucht man im prinzip bloß im ofen von kalt und hart in heiss und weich zu verwandeln und er ist so wie er ist schon ein gedicht. aber wenn man ihn dann noch mit sahne, butter, nüssen, kernen, oder auch fleisch kombiniert, ist er unschlagbar.

jamie oliver hat viele ideen dazu, eine davon probierten wir sonntag aus:

süßsaurer butternuss-kürbis

1 butternuss-kürbis
3 zwiebeln
1 rote chilischote
5 knoblauchzehen
eine handvoll rosinen
eine handvoll pinienkerne
balsamico
zucker
salz
pfeffer
olivenöl

den kürbis schälen, entkernen, in fingergroße stücke zerschneiden.
die zwiebel würfeln.
die chilischote entkernen und kleinhacken .
alles zusammen in olivenöl anbraten, 1 glas wasser dazu und 10 minuten dünsten
abgiessen, rest wasser verdampfen lassen.
wieder etwas öl dazu, den knoblauch, die rosinen und pinienkerne,salz und pfeffer und alles noch einmal goldgelb braten.
mit balsamico und zucker vermischen.

so einfach und so gut.

dazu gab es zucchini-puffer, auch frei nach jamie.



4 zucchini
2 eier
100 g mehl
handvoll feingeriebenem parmesan
handvoll frischer pfefferminzblätter
handvoll kleingehackter frühlingszwiebeln
salz pfeffer

eier trennen.
die zucchini in klitzekleine würfelchen schnippeln.
mehl mit eigelb verquirlen.
zucchini mit der mehlmischung, parmesan und dem ganzen rest verkneten
eischnee mit etwas salz herstellen und drunterheben.

in olivenöl langsam braten.

ein klasse vegetarisches essen, fanden wir.
genau richtig nach einer herbstlichen radtour, bei der die ohren schon mal kälter wurden als der leib :-)

Montag, 20. September 2010

jamie's short bread.



man kann ja mal in die verlegenheit kommen, in einem film mitzuspielen, für den man 20kg zunehmen muss.
mit dieser speise müßte sich so eine aufgabe innerhalb kürzester zeit bewerkstelligen lassen.
gebacken hab ich's, weil ich was ganz schnelles brauchte, was keine arbeit macht.
den suchtfaktor hab ich dabei nicht bedacht und kann nur sagen: falls das filmangebot noch nicht wirklich steht, finger davon!

das shortbread besteht aus:

250g butter
150 g mehl
150 g maisgries
100g zucker

butter und zucker (ich habe den englischen, dunkelbraunen silverspoon-sugar genommen) schaumig rühren.
mehl und maisgries mit den händen drunterkneten.
in eine flache form füllen und bei 150°C für 50 minuten in den ofen.


vorsichtig in stücke schneiden und mit zucker bestreuen.



teufelszeug!

Sonntag, 19. September 2010

foodblogging: osso buco


das rezept stammt mal wieder aus abas muttersprachlichen kochbuch, zu dem mir ja der zugang verwehrt ist, da es in hieroglyphen abgefasst ist. deshalb hier die direkte übersetzung. 
die mengen hat aba natürlich virtuos variiert.
für vier personen lagen wir mit drei kilo fleisch richtig. so eine beinscheibe besteht ja, wie der name des gerichtes sagt, ungefähr zur hälfte aus knochen und loch.
dann kamen viel mehr knoblauch, viel mehr wein, viel mehr zwiebeln hinein....und der bräter stand gute vier stunden auf dem herd, verströmte köstlichste düfte im ganzen haus und erzeugte später sehr glückliche gesichter.



 osso buco

2 kg beinscheiben
1/2 tasse mehl
1/3 tasse olivenöl
2 wurzeln
2 stangen sellerie
2 zwiebeln
alles kleingehackt
2 knoblauchzehen
1 glas rotwein
4 gewürfelte tomaten
1 lorbeerblatt
salz
pfeffer

die halbe menge öl in einem bräter erhitzen.
gewaschenes, abgetrocknetes fleisch mit mehl bestäuben.
10 minuten lang ringsherum bräunen.
fleisch herausnehmen, topfboden abkratzen.
rest öl hineingeben, hitze auf mittelstark herunterfahren.
gemüse und knoblauch dazugeben, 5 minuten braten.
wein hinzugeben, noch 2 minuten köcheln.
dann tomaten und gewürze dazu, fleisch wieder in den topf.
ca.1 1/2 gläser wasser hinzugeben (oder wein)- die flüssigkeit soll das fleisch bedecken
aufkochen lassen, dann auf niedriger flamme 2 stunden oder länger garen.

dazu gehört ein großer topf cremolata:

feingehackte glatte petersilie, zitronenschale und knoblauch zusammenmixen.




die gnocchi dazu habe ich hergestellt, wobei ich mich an das rezept aus  maria elia's phantastischem vegetarischen kochbuch hielt.
mehlig kochende kartoffeln noch heiss durch die presse jagen, mit mehl und ei, salz, pfeffer und muskat verkneten und kleine knödelchen formen. in kochendem wasser portionsweise garen, bis sie an die oberfläche steigen.
die sind auch super als hauptgericht, einfach mit frischem basilikum und parmesan. oder salbeibutter.




the happy chef :-)

Samstag, 18. September 2010

foodblogging: thai-chicken.

wenn ich ja etwas liebe, dann ist es der asia-laden in der fleethörn.


auf vergleichsweise wenigen quadratmetern so ein sortiment anzubieten, das ist schon eine reife leistung. nach ländern geordnet, gibt's hier einfach alles, von der koreanischen bohnenpaste in fünffacher ausfertigung über die mexikanische tortilla  bis hin zu einer gigantischen auswahl von currypasten, saucen, tees, schnäpsen, kräutern und gemüsen. die non-food abteilung brilliert neben woks, gaskochern und reisgeschirren mit afrikanischen haarpflegemitteln, afghanischen pop-cds und als aquarien getarnten flachbildschirmen.

 wenn ich hier mal drin bin, bin ich verloren. dann haue ich alles in den wagen, was schön aussieht. und es sieht alles schön aus.

...fast alles.
 die bunten farben und die exotischen aufschriften der verpackungen sind für meine augen wie eine droge. abgesehen davon, dass ich die designs durch die bank unglaublich gut finde.



ich will das alles zuhause in der küche um mich  haben und bin voller bedauern, nicht so viel reis essen zu können, dass sich die anschaffung dieser wunderschön bedruckten säcke lohnen würde.





aber ich mache trotzdem noch genug beute. pasten, nudeln, flaschen mit besonderen ölen und soja-saucen, besondere pfeffer-sorten, getrocknete pilze, frisches zitronengras, chapatis und abas heissgeliebtes papardam ....und abends wird der karton auf den tisch gestellt und beim gemeinsamen auspacken es ist wie weihnachten.



und da es kalt ist draussen, ist es wieder zeit für hot, hot chili pepper aus dem wok, und da koche ich dann zb sowas:

thai-chicken

für zwei personen:

300 g hähnchenfilet
300 g kokosmilch
1 rote paprika
handvoll champignons
frühlingszwiebeln
5 knoblauchzehen
erdnussöl
gelbe currypaste
palmzucker
fischsauce
1/2 zitrone
 ingwer
chiliflocken
1 el speisestärke

zuerst schneide ich das huhn in würfel, und lasse es im saft einer halben zitrone ziehen.
später bestäube ich es mit speisestärke und chiliflocken. (das mit der stärke habe ich aus der chinesischen küche entlehnt, es macht die sauce nachher noch ein bisschen dicker und gemütlicher).
das gemüse kleinschneiden.
erdnussöl im wok erhitzen, das hühnerfleisch ringsherum anbraten, wieder herausnehmen und beiseite stellen.
etwas öl nachkippen. feingewürfelten knoblauch mit etwas salz hinein, dann das gemüse kurz anrösten
kokosmilch hinzufügen.
1 el palmzucker, 1 el currypaste, feingehackten ingwer dazugeben.
mit fischsauce abschmecken.
herd ausstellen.
das hühnerfleisch wieder hineingeben, kurz garziehenlassen....

perfekt.




dazu aßen wir braunen thai-duftreis, sehr zu empfehlen!

Mittwoch, 15. September 2010

kein us-open am südfriedhof.

wie lange dauert so ein grand slam-turnier?
mehrere wochen doch wohl auf jeden fall, so kommt es mir vor.
jedenfalls klebt der aba zu solchen zeiten im korbsessel vor der mattscheibe, bis in die frühen morgenstunden hallt es leise "toc....toc...toc...." durch die zimmerfluchten, und am nächsten tag können die viereckigen augen es gar nicht erwarten, möglichst bald die gewohnte positon wieder einzunehmen und den sich immer strammer zuziehenden spannungsfaden wieder aufzunehmen.


und dann kommt das endspiel.
und ich weiss das gar nicht.
ich kenn ja nicht mal die namen derer, die da das racket schwingen. nur dass israel nicht so gut sein soll, hab ich mitbekommen.
ich sagte jedenfalls am sonntag abend -einfach so dahin, und doch im vorfeld gut durchdacht- wir schlafen heute aus logistischen gründen in kiel, denn morgen früh muss ich zum gericht, und ich hab schiss, dass die a7 dann verstopft ist und ich womöglich den termin versäume.
und aba, es mir recht machen wollend, erzählt mir nichts von dem finale, auf das er doch nun in wochenlangen einsamen sitzungen hingearbeitet hat. er hätte ja auch in quickborn bleiben, es da sehen, gleichzeitig den katzen gesellschaft leisten und am nächsten morgen nach kiel kommen können...aber er kam mit, und wir verbrachten den abend bei mami, wo spät in der nacht noch spontan französischer zitronenkuchen gebacken wurde.
"nein, david, ich habe kein eurosport!"
"aber das gehört doch zu dem deutschen standard-paket..."
"aber bei mir geht eurosport nicht, es ging noch nie!"
tatsächlich. kein eurosport bei mami.
"I will survive somehow", hiess es, aber ich war mir da nicht so sicher.
der weg von mami zu meiner kieler dependance, wenige meter eigentlich nur, führte diesmal in einem schlenker über die west-tangente, sprich bugenhagenstrasse, an der erbse vorbei, vor der mein auto parkte, in welchem wichtiger krempel der mitnahme harrte. ich sagte zu aba: "geh doch mal rein da, vielleicht gucken sie da drin ja tennis." aber die große leinwand war dunkel. es saßen noch genau drei menschen da, einer am tisch, zwei am tresen, versprengte nighthawks am stillen sonntag abend. erbsen-wirt hatto mutierte zum fernsehtechniker. holte die trittleiter. kletterte rauf, kletterte runter. war ratlos. fluchte leise. ent-und verkabelte die einzelnen bausteine seiner beamer-anlage. stocherte mit dem schraubenzieher. testete verschiedene fernbedienungen. wir standen unten mit cello-case und geigenkoffer und starrten empor.
ich war müde.
nichts.
kein eurosport.
hatto gab auf. wir verliessen die erbse und setzten unsere wanderschaft fort, aba immer auf dem feuchtglänzenden kopfsteinpflaster aus angst vor dog-shit. obwohl ich eigentlich gerne noch ein bisschen geblieben wäre und einen köstlichen tempranillo zur nacht zu mir genommen hätte....so als kleines schlafmittel vor dem aufregenden gerichts-tag.
aber die letzte möglichkeit, zumindest einen teil des endspiels sehen zu können, war ja noch nicht ausgeschöpft: nämlich das terminal in meinem appartemäng! da ist der fernseher schon lange nur noch zur zierde da, und er hat auch ein ganz gemeines syndrom: immer an der spannendsten stelle verwandelt sich  das bild plötzlich und unerwartet in eine blue screen, und das war's dann mit dem tv-vergnügen. allein, um mir dieses frustrierende erlebnis zu ersparen, sehe ich in den letzten monaten ausschliesslich die lindenstrasse auf dem laptop, und sonst nichts. eurosport? hatte ich sowas je? keine ahnung.
kaum hatten wir die wohnung betreten, stand aba auch schon im dunklen zimmer mit den remote controls in den händen. der fernseher funktionierte zwar, aber ausgerechnet da, wo eurosport hätte sein müssen, war diesmal die blue screen, sonst nirgends.
auch wenn ich die nacht zum schlafen brauchte und gar nicht erpicht darauf war, das vor einem laufenden fernseher zu tun, tat mir das ganze doch auch irgendwie leid. nunja, der aba hat alle möglichen kostenpflichtigen basketball-und sonstige channels zuhause in quickborn, er würde das spiel schon noch nachträglich sehen können, aber der montag erforderte absolute vorsicht im umgang mit informationen über den ausgang des finales. hätte ich auf gmx das ergebnis gesehen und es ihm sogleich freudvoll rüber posaunt, wäre die in wochen aufgebaute spannung in einer unbefriedigenden sekunde verpufft.
und das wollte ich ja nicht, wehalb ich auch mami, ur-kn-leserin, gleich, als wir zum nachgerichtlichen frühstück bei ihr aufliefen, anzischte: "sag nichts!!!"

am abend bekam ich einen anruf aus quickborn: das finale hatte wegen regen nicht stattgefunden.

Montag, 13. September 2010

flutepower im kieler amtsgericht.


das ist mir auch noch nicht passiert, dass ich vor einer ganzen horde jura-studenten auftreten darf.
falsch: das ist mir sogar schon mal passiert, vor ca.25 jahren, an der kieler uni, da gab es ein treffen derer, die vor gefühlten hundert jahren da mal jura studiert hatten. ich erinnere mich an einen butterberg in form des laboer ehrenmals und einen kleinen alten herrn, der mir, während ich mich improvisierenderweise an einer charlie-parker-nummer versuchte,  als wäre das nicht schwer genug gewesen, sehr ungentleman-like auf die schulter klopfte, und mir mit zittriger stimme die frage ins ohr raunte, wann denn wohl mal schluss sei mit dem lärm.


heute jedoch kann ich mich der svenjaschen ausdrucksweise bedienen: ich bin am frühen morgen in der strahlenden herbstsonne gen kieler amtsgericht, nur unweit meiner künstlerklause in der lutherstrasse gelegen, gestöckelt, falsche wimpern vortäuschende tusche aufgetragen, jeder dread perfekt ausgerichtet, an des abas arm, meinem treuen begleiter, und action- man durfte in der roten avantgarde-handtasche auch mit. action man, lumix, aba und ich....was konnte da noch gross passieren?
und dann mein herzallerliebster rechtsanwalt, ein lieber freund aus alten tagen auf dem land, auf dem gemeinsam bewohnten gutshof im dänischen wohld, dem seine angeborene aristokratie aus jedem knopfloch  dampft, und der einen ganz, ganz schnellen prozessor im kopf hat. welch ein wiedersehen nach längerer zeit, war es tatsächlich die taufe seiner jüngsten tochter maria, auf der aba und ich zusammen duettierten?

mal im ernst: ist mir natürlich völlig klar, wie kurios es ist, ein ganzes gericht zu bemühen wegen einer streitsumme von 650 euro. aber wenn man liest, wie es dazu kommen konnte, sieht man es vielleicht anders.
der mann, der meine flöte reparieren sollte und wollte, hatte sich nicht nur als komplette pfeife erwiesen, sondern  hatte noch nicht mal das nötige equipment in der hose, um leibhaftig vor gericht zu erscheinen. ja, wo gibt's denn sowas? ts.ich schmunzelte nach innen. die zweite -allerdings angenehme- überraschung war, dass richter und mein rechtanwalt brüder hätten sein können, es im geiste auf jeden fall waren. der richter, ein sehr helles naturell, war mir gegenüber ein einziges lächeln. der anwalt der nicht vorhandenen gegenpartei schien diese unterschwelligen strömungen zu spüren, und wählte die taktik des ganz, ganz bösen wolfes. oh, wie ich zitterte! tatsächlich spürte ich ein leises tremolo in meiner stimme, während ich meine "sehr phantasievoll vorgetragene geschichte" (so der böse wolf), vortrug, aber doch mehr wegen des ungeahnten publikums! was für eine performance war mir da vergönnt!


wir drei sonnenkinder auf der einen seite, der  ungehobelte wolf-ganz schlechte optik, sehr nach hinten losgehende ausstrahlung, jegliche contenance vermissen lassend, ganz erbärmlich schlechte manieren einer allseits beliebten jazz-lady gegenüber, auf der anderen. der sunnyboy von richter fragte ihn gleich zu anfang, ob er denn nun unbedingt miese stimmung fabrizieren wolle, denn wir drei wollten das nicht. darauf hin wechselte der ungustiöse mann ganz schnell seine strategie und bezeichnete sich selbst als "alten stänkerer", machte dann aber so unsympathisch weiter wie zuvor mit seinen jeglicher grundlage entbehrenden anschuldigungen. auch name-dropping, mit dem er mich auf lächerliche art einschüchtern wollte-man muss sich das so vorstellen: er fragte mich, ob ich in der zeit, als ich die flöte von werkstatt a-ich berichtete-abgeholt hatte und sie noch nicht zur werksatt b gebracht hatte, auftritte mit volker linde, ulrich meletschus und anderen zentralen persönlichkeiten der norddeutschen musikszene, mit denen ich seinen recherchen nach regelmäßig zu tun habe, gehabt hätte. ich sagte nur "nein", in der annahme, er habe das problem nicht so ganz verstanden, denn die flöte spielte ja zu der zeit nicht (lächel).
oh, was für eine farce, was für ein fernsehreifer sketch, das ganze. wie schnell jeder seine position auf so einer bühne findet. wie blitzartig nonverbale kommunikation zwischen wildfremden sich dem zweck zuordnet.
das ganze endete nach zwanzig amüsanten minuten, in denen die beiden edlen junker richter und mein anwalt  zum pläsier der jungen studenten auf gleichem niveau witzelten, mit einem glücklichen vergleich.
will sagen: ich habe das gleiche geld ausgegeben, als ob ich die generalüberholung zweimal bezahlt hätte.
okay-
aber: ich habe sie nicht zweimal bezahlt.
nicht einfach so auf die zahlungsforderung reagiert und für einen haufen schiet die von der gegenpartei absurderweise geforderte geldmenge abgeliefert. er, mein kontrahent, ist der verlierer, und zwar haushoch. ich begreife bis heute nicht, wie man sich selber so ins knie schiessen kann. ich, die ich seit jahren, seit jahrzehnten, flötenlehrerin in so einer kleinen stadt bin, die ich immer alles nett und auf local-dealer-basis haben möchte, die ich alle unterstützen möchte, und die ich ihm so ein grossherziges angebot gemacht habe, die schleift er vor gericht, ist dann sogar selber zu feige, zu kommen, und nun das.
es gab einen vergleich. ich habe nicht gewonnen, weil ich das gesetz insofern missachtet habe, als ich ihm nicht die gelegenheit gegeben habe, eine nachbesserung vorzunehmen. guter witz....aber so ist das gesetz.
aber er hat auch nicht gewonnen. das hätte er sich denken können, denn er hat de facto schrott abgeliefert. vorher spielte meine flöte, hinterher nicht mehr.
und nun? über die  nächsten 10 jahre gepeilt, ist es für ihn ein umsatzverlust von vielen tausend euro und die einbuße eines ganzen kundenstamms.
und der ruf seines geschäfts?
der hat schon in den letzten monaten ganz gewaltig gelitten.
mich jedoch hat die ganze sache in den blickpunkt der ganzen mit mir fühlenden szene gerückt,  ein publicity-boosting, das mir gerade recht kommt!





äußerst fröhlich gestimmt haben wir drei erstmal die goldene herbstsonne vor kult-treff feddersen genossen!

Sonntag, 12. September 2010

vegetarisch kochen mit maria elia.

wir sind zwar keine vegetarier, und der aba kocht nun ja auch, aus seinem männer-kochbuch, und er kocht mitten in der woche mit datteln gefüllte pessach-lämmer u.ä.




und das wohlgemerkt, während ich auf einem fernen eiland verweile und mir mit mami die bodden-fische brate. dieses foto fand ich auf seiner speicher-karte.....

früher, da hatte ich mal eine vegetarische phase. und die war nicht die schlechteste. jetzt möchte ich gerne das buch "tiere essen" lesen, das muss ich allerdings von längerer hand vorbereiten, will sagen, für die zeit danach muss ich mit schönen fleischlosen rezepten gewappnet sein.
außerdem habe ich meinen zweiten low-carb-anlauf hinter mir und gemerkt, das ist es einfach nicht.
nicht für mich.
anderen geht es so gut damit, die fühlen sich fit, nehmen ab und verbessern obendrein ihre gesundheit.
für mich brachte es keine vorteile, ich bin wieder auf "ganz normal, aber gesund" umgestiegen, und so kam mir anke gröners genialer kochbuchtipp gerade recht. mir gefällt das sowieso alles sehr, was anke gröner über ihre ess-geschichte bloggt und vor allem die story mit dem foodcoaching.
nun hab ich mir zum ersten mal ein von ihr empfohlenes buch bestellt und bin total begeistert.
da wir nie frühstücken in dem sinne, sondern eher brunchen, und der aba auberginen über alles liebt, hab ich heute morgen das erste maria-elia-rezept nachgekocht. auberginenschnitzel mit linsen-feta-tabouleh. welch ein gedicht!


ich schätze an den zeitgenössischen kochbuchautoren, dass sie darauf hinweisen, uns zu eigenen erfindungen inspirieren zu wollen, was ich mir ja nicht zweimal sagen lasse. jamie oliver zb fühlt sich erst so richtig verstanden, wenn jemand zwar sein rezept kocht, aber lieber pfirsiche statt birnen nimmt.
also nahm ich beluga-linsen, weil ich die hübscher finde als puy, schnitt noch ein paar stangen sellerie hauchdünn mit ins tabouleh, weil ich die mit feta zusammen unschlagbar finde, viel mehr zwiebel, weil der aba ein zwiebelfreak ist, und viel kleingehackten, geräucherten knoblauch, von dem ich mir gestern bei unserem quickborner lieblings-gemüsedealer arkadasch eine knolle vom zopf riss.

die auberginen machte ich nach anweisung, allerdings nahm ich statt der semmelbrösel feingemahlene mandeln, das hab ich bei lchf gelernt, und das ist mir lieber als zuviel weißbrot. aber achtung: dann sehr mit der temperatur aufpassen, denn die mandeln sind empfindlich.

es war der absolute hit, und ich sag nur: danke, anke!

wie hätte ich dieses buch sonst entdecken sollen? völlig neue kompositionen und würzungen, optisch wunderschön und dabei auch noch praktikabel. ich werde es ganz bestimmt seite für seite durchkochen, genau wie anke gröner es vorhat!

hier nun das rezept für 4 personen. und das reicht!!!

1 große aubergine
100g frische semmelbrösel (bei mir wie gesagt mandelmehl)
2 el sumak
15 g frisch geriebener parmesan
10g feingehackte minze
10g feingehackte frische petersilie
fein aberiebene schale von 1/2 zitrone
meersalz, pfeffer
2 eier
1 schuss milch
mehl
olivenöl

aubergine in 2cm dicke scheiben schneiden. in einer schüssel semmelbrösel, die hälfte des sumak, parmesan, minze, petersilie, zitronenschale, sakz und pfeffer vermischen. eier mit milch in einer anderen schüssel verquirlen. das mehl auf einen teller geben. die auberginenscheiben durchs mehl ziehen, dann durch die eier, dann in den semmelbröseln wälzen.
ordentlich olivenöl in einer beschichteten pfanne erhitzen, auberginen bei mittlerer temperatur ca. 3-4 minuten von jeder seite schmurgeln. auf küchenrolle abtropfen lassen. salzen und mit restlichem sumak bestreuen.

und nun das tabouleh:

120 g frische, glatte petersilie
50g frische minze
2 tomaten, feingewürfelt
1 rote zwiebel feingewürfelt
150g puy-linsen,gegart
1/2 tl zimt
1 tl gemahlener piment
salz
saft von 1 zitrone
60ml olivenöl
50g feta, zerkrümelt

petersilie und minze so klein wie möglich hacken, alles vermengen und mit zitronensaft und olivenöl anmachen. feta drunterheben.

schick mit den auberginenschnitzeln (die außen knusprig und innen total fluffig sind und richtig nach aubergine schmecken!) anrichten.

ein super sonntags-frühstück!

gleichzeitig eine kleine henkersmahlzeit. morgen ist es soweit: um 9.45.h checke ich im kieler amtsgericht ein.
da wird mir der prozess gemacht. ob ich da wohl lust drauf habe?!

Dienstag, 7. September 2010

rossini in nortorf. nachlese.

wunderschön war's.
angefangen damit, daß die bratschen diesmal woanders saßen und ich einen ganz neuen pult-partner zur linken hatte, zur rechten dafür die zweiten geigen-das war alles ungewohnt genug und für eine traditionalistin wie mich geradezu aufreibend. nach hinten und vorn und zu den seiten mit  kollegen zu witzeln, mit denen mir sonst höchstens der schulterschluss am kalten büffet näheren kontakt beschert.




äusserst dankbar war ich jedoch für die tatsache, dass ich durch diesen glücklichen umstand in den genuss kam, genau vor der harfe zu sitzen. daß man überhaupt eine engagiert hatte! vor zwei jahren spielten wir die petite messe schon einmal, nur der part dieses göttergleichen instruments wurde damals vom klavier ersetzt. ich fühlte mich sehr priviligiert, daß mir die kraftvoll gegriffenen arpeggien direkt in den rücken perlten.

video


die petite messe solennelle zu spielen, bringt einfach spaß. die musik ist so hell. sie kommt mit einem heiteren lächeln daher und steckt einen damit an. und vom physischen aufwand her kein vergleich zu einem rücken-und augenmordenden mendelssohn! man kann sich von der ersten bis zur letzten note der musik übergeben und schwimmt frohen mutes in ihrem sprudelnden fluss dahin, bis man viel zu früh auf der letzten seite angekommen ist.





st.martin war bis unters dach von einem begeistert applaudierenden publikum gefüllt.


anschliessend ging es ins große festzelt auf dem marktplatz, wo auf günnis 30stes nortorf-jubiläum geprostet wurde. er hat wirklich ganz besondere qualitäten, mit seiner warmherzigen, humorigen art diesen ganzen tross über so viele jahre zusammenzuhalten -generationenübergreifend - und für die großen werke der sakralen literatur zu begeistern und ihnen auch noch beizubringen, das schwere zeug zu singen!


als nächstes steht im dezember die weihnachtskantate an.
die haben wir diesmal  nicht johann sebastian bach, sondern hans-georg wolos aus neumünster zu verdanken. david und ich haben letztes jahr schon einmal die ehre gehabt, mtwirken zu dürfen, zweimal hintereinander am selben tag, unter der leitung des komponisten, in der großen stadtkirche mit public-viewing - großbildwand überm altar.  auch das war ein großer spaß, und ich freue mich schon sehr auf die nortorfer aufführung mit gemütlicher after-show-party im gemeindehaus!

Donnerstag, 2. September 2010

rossini in nortorf.



wie wäre es denn mal wieder mit einem schönen kirchenkonzert?

ich kann da ein kleines gallisches dorf empfehlen, exakt in der mitte schleswig-holsteins gelegen.
allen finanziellen anfechtungen  zum trotz findet sich hier unter der leitung seines liebenswerten majestix kmd günter bongert seit über zwei jahrzehnten ein an die  hundert mann starker chor zusammen, der sich ebenso lange ein eigenes orchester gönnt. einen teil der mitglieder desselben hat es über die jahre in alle winde zerstreut, was sie aber nicht davon abhält, per bahn und flugzeug aus den entlegensten gegenden der republik anzureisen,  um bei den großen konzert- projekten dabeizusein und ihre  musikalische ursprungs-familie um sich zu versammeln.
jedes jahr werden ungefähr drei monumentale oratorien aufgeführt. alle zwei jahre geht es in den herbstferien auf tournee. da werden jedesmal vier reisebusse beladen, und wenn man mit 170 leuten eine kleinstadt wie aix-en-provence bevölkert, kann man ganz sicher sein, beim kneipenbummel stets auf bekannte gesichter zu treffen.
ich selber schwinge dort den bogen an der bratsche. in acht jahren meines mitwirkens habe ich es zwar  nicht auf die buskilometer eines gründungsmitgliedes gebracht (gemogelt hab ich zwischendurch auch: nach rom bin ich geflogen...),  aber ich blicke auf herzerfrischende, intensive fahrten nach italien, frankreich, berlin, wien und dresden zurück. die perkfekte organisation dieser reisen sucht ihresgleichen.
dieses jahr geht es mit rossini's petite messe solennelle nach süddeutschland. heidelberg, trier.
das konzert an diesem wochenende ist sozusagen das heimspiel davor.
es handelt sich um ein äußerst liebliches, frohsinniges stück voller leichtigkeit, opernhaft und voller witz, charme und sommerlicher wärme.



das "wunder von nortorf" wie die kieler nachrichten  dieses ganze phänomen vor kurzem staunend nannten, widerfährt am sonnabend, dem 4. september den menschen, die sich auf den weg zu ihm begeben.
es fängt an, wenn die glocken den sonntag eingeläutet haben, um genau 18.10h.

hinterher kann man beim örtlichen edel-italiener die eigens für diesen anlass kreierte pizza rossini probieren...

more info: www.kirchenmusik-nortorf.de

farewell to ireland.

Mittwoch, 1. September 2010

hörnbrücke bei nacht

















die brücke
über der hörn
in der warmen nacht
über dem schwarzen wasser
in dem die lichter der stadt
in allen farben glühen

ich fühle das, was mal war
ganz deutlich
all die orte
all die kneipen
all die gigs










laue luft
ein rest sommer
greift unters hemd
mit samtener tatze
ganz plötzlich
überraschend
es wollte doch schon herbst sein















der dunkle blick nach norden
dahin wo die förde aufklafft
ins meer ausatmet
offene see wird
da hinten in der schwärze
irgendwo
da hinten kommt dänemark
die flachen inseln

das war auch schön
damals
segeln
marstal
bojen, tonnen, pölser
die seekarten
auf dem kajütentisch


















das wasser riecht
nach hafen
nach meiner stadt
ich atme tief
ich liebe meine stadt
mit der nase
mit der lunge
salzwasser spült durch
meine herzkammern

mit den ohren liebe ich meine stadt
wenn das schwarze wasser
leise an die mole schwappt
in der warmen nacht
kleine krause wellen
der mond ist heute auch dabei
kippt ein bisschen weißgold drauf
das zitternd zerschmilzt


















die hafendampfer schaukeln sachte
zu einem pulk vertäut

an bord glimmt schwaches licht
als würden sie sich miteinander unterhalten
wie geschwister
leise murmelnd
in der warmen nacht
ein ganzes langes leben auf der förde
dieselben wasserwege
tag um tag
jahr um jahr
reventloubrücke
belvedere
möltenort
laboe


in der schwarzen nacht
steh ich an der hörn
und schaue dahin
wo dänemark ist
weit weg
in der dunkelheit
am horizont


zwei, drei möwen schreien
über mir
ihre weißen körper
werfen schwarze schatten
auf die blinkenden lichter der stadt


ich will nichts anderes
nur hier stehen
unter den nackten füßen
das holz, das noch sonne in sich hat
so schön die brücke
über der hörn
so stabil
so sicher

brücken
verbinden
welten und zeiten und leben

gestern und heute
heute und morgen