Mittwoch, 1. September 2010

hörnbrücke bei nacht

















die brücke
über der hörn
in der warmen nacht
über dem schwarzen wasser
in dem die lichter der stadt
in allen farben glühen

ich fühle das, was mal war
ganz deutlich
all die orte
all die kneipen
all die gigs










laue luft
ein rest sommer
greift unters hemd
mit samtener tatze
ganz plötzlich
überraschend
es wollte doch schon herbst sein















der dunkle blick nach norden
dahin wo die förde aufklafft
ins meer ausatmet
offene see wird
da hinten in der schwärze
irgendwo
da hinten kommt dänemark
die flachen inseln

das war auch schön
damals
segeln
marstal
bojen, tonnen, pölser
die seekarten
auf dem kajütentisch


















das wasser riecht
nach hafen
nach meiner stadt
ich atme tief
ich liebe meine stadt
mit der nase
mit der lunge
salzwasser spült durch
meine herzkammern

mit den ohren liebe ich meine stadt
wenn das schwarze wasser
leise an die mole schwappt
in der warmen nacht
kleine krause wellen
der mond ist heute auch dabei
kippt ein bisschen weißgold drauf
das zitternd zerschmilzt


















die hafendampfer schaukeln sachte
zu einem pulk vertäut

an bord glimmt schwaches licht
als würden sie sich miteinander unterhalten
wie geschwister
leise murmelnd
in der warmen nacht
ein ganzes langes leben auf der förde
dieselben wasserwege
tag um tag
jahr um jahr
reventloubrücke
belvedere
möltenort
laboe


in der schwarzen nacht
steh ich an der hörn
und schaue dahin
wo dänemark ist
weit weg
in der dunkelheit
am horizont


zwei, drei möwen schreien
über mir
ihre weißen körper
werfen schwarze schatten
auf die blinkenden lichter der stadt


ich will nichts anderes
nur hier stehen
unter den nackten füßen
das holz, das noch sonne in sich hat
so schön die brücke
über der hörn
so stabil
so sicher

brücken
verbinden
welten und zeiten und leben

gestern und heute
heute und morgen

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

So ein ähnliches gefühl hatte ich vor ein paar tagen,als soullounge spielten und ich etwas abseits(seitlich)von der bühne an der hörn stand;alles im rahmen einer veranstaltung eines bekannten bierherstellers.Und wie so aufs wasser schaute...war schon echt gaga,was mir da so durchs herz schoss...

yael hat gesagt…

@ (leider)anonym: wie mich diese resonanz freut!

Anonym hat gesagt…

Jürgen Wiemer schreibt:Ich wollte doch garnicht Anonym schreiben.Ich war nur wieder zu hibbellich,um die richtigen Buttons zu drücken :)))

Mit ganz lieben Grüssen aus Lebrade

Jürgen

yael hat gesagt…

aaah du bists, hallo :-) alles klar!

Bongo Bongo hat gesagt…

dem ist nichts hinzuzufügen....
schön, wann erscheint Dein Buch? Ich gebs zu, ich bleibe immer hängen an deinen blogs...
liebe Grüße
Söny

yael hat gesagt…

@ bongielein: ach mein herzelein, dafür sind sie doch gemacht, und du glaubst ja nicht, wie das das spatzl freut!
(abgesehen davon blogggg ich mich ja grad nur warm!)

Hans hat gesagt…

SCHÖN! Tiefsinnig! Kieler Deern :-)

mkh hat gesagt…

Schön. Das macht Lust, auf ähnliche oder andere oder sonstwelche Weise auch einmal Scenarien "meiner" Lokalitäten zu beschreiben... Gute Idee, das!

Und Bilder und Worte sehr schön verbandelt... - "als würden sie sich miteinander unterhalten"

Und überhaupt gefällt mir die Sequenz mit den schaukelnden Hafenschifflein ganz besonders gut...

Also, blogge dich bitteschön weiterhin warm; wärmer gehts zwar wohl kaum.

yael hat gesagt…

@ hans: :-))))

@ mkh: das ist ja mal wieder balsam für die blogger-seele, und dank solch kraftvoller positiver verstärker wird es hier womöglich bald unangenehm heiss werden!

Sudda Sudda hat gesagt…

Boah toll!

Uta hat gesagt…

Danke! Für das Stück Heimat!

yael hat gesagt…

@ sudda: :-)

@ uta: bitteschön, sehr gern wieder, wenn es mich anfliegt!

Mama Matunda hat gesagt…

brücken
verbinden
welten und zeiten und leben
und vor allem MENSCHEN

Super toller Blogpost, danke sagt Dani und ein schnuckliges Weekend.

yael hat gesagt…

@ dani: danke dir und auch dir en schönes WE!