ciao, antonio.





es war immer voll. ohne reservierung lief gar nichts. oder man stand eben eine ganze zeit mit prosecco am tresen und wartete, das ging natürlich auch. gemütliche beleuchtung und kerzenlicht, warme terrakottafarben, schöne tischdecken, bequeme möbel bestimmten die atmosphäre in dem behaglichen kleinen lokal. essen und wein waren eine wucht. aber was wäre das alles ohne antonio gewesen? wie soll ich ihn beschreiben? er war ein italienischer gastwirt, wie er im buche steht, würde ich mal sagen. ein junger fröhlicher, energiegeladener familienvater,stolz auf seine kinder, deren fotos die speisekarte zierten. mit ansteckender begeisterung schmiss er seinen laden. seine schwarzen augen sprühten vor leben. er bog sich vor lachen. er liebte die musik, und er legte sich zu seiner schwungvollen kellnerei die auf, zu der er am liebsten laut mitsang. er machte mich mit pino daniele bekannt. er riß alle mit seiner guten laune mit. das war nicht aufgesetzt, er war so. er kannte seine gäste und hatte für jeden ein wort, und gegen ladenschluss, wenn sich unter seinen gesang auch schon mal ein paar tanzschritte mischten, auch zwei.

er war echt.
am telefon erkannte er aba, ehe dieser ein vollständiges "hallo" losgeworden war.
dann war da der running gag zwischen den beiden mit der zabaione. auf hebräisch heisst opa "saba" und abas opa hiess yona, so wie der mit dem wal. also jedesmal, wenn wir da waren, assen wir zum abschluss einen von diesen riesenpötten köstlichster heiss dampfender zaba-yona, von der man besoffen wurde, soviel schnaps war drin, und nie vergass antonio diese doppelbedeutung. jeder wurde persönlich angesprochen, ab dem zweiten besuch war man stammgast. man unterhielt sich über die tische hinweg, guckte den anderen auf die teller, bestellte noch eine karaffe vom glutvollen hauswein und war jedesmal satt und glücklich, hatte einen wunderschönen abend gehabt und war dabei nicht mal arm geworden.

einmal kamen wir nach einem konzert sehr spät, alles war schon zu, der koch hatte bereits die jacke an und wollte nach hause, wurde aber von antonio muttersprachlich brabbelnd und gestikulierend überzeugt, doch noch schnell ein paar involtini für uns in die pfanne zu hauen.

für mich gab es nie einen grund, einen der anderen quickborner italiener auszuprobieren, auch wenn ich den anderen vielleicht unrecht tat. für mich war das "unser" italiener und fertig.

vor zwei wochen ist antonio in henstedt-ulzburg gegen einen baum gefahren, so wurde uns gesagt. er war erst 34. natürlich tut es mir jetzt leid und weh, dass wir in der letzten zeit nicht öfter da waren. aber wer rechnet denn mit sowas?

ciao, antonio, und mille grazie.

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Kommentare

  1. Das ist aber richtig traurig. Schade!

    So ein Wohlfühllokal hab ich gar nicht.

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  2. jetzt überlege ich schon seit fast einer halben stunde, was angemessen wäre zu schreiben. alle paar minuten fange ich von vorne an. mir fehlen die worte.
    das ist so traurig. ein sehr lebendiger nachruf, gesche, eine würdige ehrung für deinen lieblingsitaliener.
    mein mitgefühl den angehörigen.

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  3. Oh, das ist echt traurig. So jung, kleine Kinder, die jetzt ohne ihren Papa groß werden müssen...

    Genau so einen Laden vermisse ich hier sehr. (Vielleicht gibt es so einen aber ich habe ihn nie gefunden. Und vielleicht hat Antonio ja einen Cousin in der Autofabrikstadt)

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  4. Tröstende Worte kann es nicht geben, nur Gedanken. Und die Erkenntnis, die ich schon "unserer" Svenja schrieb.... Beziehungen pflegen, neu entdecken, suchen. Es geht nämlich manchmal sehr schnell, dass uns nur noch Erinnerungen bleiben. Ich denk an dich.....

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  5. Oh je.......wie schön, dass Ihr ihn kanntet und erleben durftet!

    Es sterben so oft die Verkehrten zuerst - warum nur?

    Aber die Erinnerung stirbt nie!

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  6. vielen dank für all eure kommentare. ich bin ja aussenstehend und habe mit dem menschen nichts zu tun gehabt, aber es ist doch echt erschreckend, wie radikal sich das leben von einer sekunde auf die andere ändern kann. man nimmt seine umgebung als stabil wahr, dabei stimmt das gar nicht. nichts ist selbstverständlich.

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