Mittwoch, 30. März 2011

dvorák- stabat mater in nortorf.



drei kleine kinder sind dem sinfoniker antonin dvorák (1841-1904) der ansonsten nicht sehr viel geistliche musik geschrieben hat, innerhalb kurzer zeit gestorben. in dieser trauerphase komponierte er sein großartiges stabat mater.

christi mutter stand mit schmerzen
bei dem kreuz und weint' vor schmerzen
als ihr lieber sohn da hing.

durch die seele voller trauer,
seufzend unter todesschauer,
jetzt das schwert des leidens ging

welch ein weh der auserkornen,
da sie sah den eingebornen,
wie er mit dem tode rang.

angst und trauer, qual und bangen,
alles leid hielt sie umfangen,
das nur je ein herz durchdrang. (...)

das lateinische gedicht stabat mater dolorosa, das die trauer marias am kreuz ihres toten sohnes aus ihrer perspektive besingt, entstand wahrscheinlich um 1300 in italien oder
frankreich, man nimmt an, dass der franziskanermönch jacopone da
todi es verfasst hat. so ganz genau weiss man es nicht. es hat einundzwanzig strophen, von denen dvorák 20 vertonte. gleich nach seinem aufkommen erlangte der text eine enorme popularität und war als gebet oder einstimmiger gesang schon bald nicht mehr aus dem passionsgottesdienst wegzudenken. im 18. jahrhundert wurde er ins messbuch der römischen kirche aufgenommen als sequenz zum fest der ›sieben schmerzen mariä‹.
die erste  uns bekannte mehrstimmige vertonung (von ca. 1480) stammt von orlando di lasso, ihr folgten zahllose weitere: von palestrina und pergolesi, haydn und rossini,
verdi und szymanowksi, poulenc und penderecki...

eine berühmte aufführung von dvoráks stabat mater 1884 in der royal albert hall (in der heute die londoner proms stattfinden) fand vor 12.000 zuhörern statt und zwar mit einem 850-köpfigen chor und einem auf 24 ersten geigen und 16  kontrabässen basierenden riesenorchester.

ganz so bombastisch geht es im schönen nortorf am kommenden sonnabend um 18.10h - nach den glocken, wie immer - nicht zu, aber der chor ist auch groß und erste geigen haben wir immerhin sechs und kontrabässe zwei ...und das reicht vollkommen aus, um die aussergewöhnliche schönheit dieses werkes erstrahlen zu lassen, bei dem ich während der proben schon manchmal das tagesbewusstsein verliere und fast von meinem bratschen - stuhl rutsche, und manch ein chorsänger seinen einsatz zu verpassen droht, weil  uns diese hypnotische musik kollektiv in in eine wolke unsäglich warmen wohlklangs einhüllt, in dem es schwer ist, den alphazustand aufrecht zu erhalten...

die nortorfer konzerte, von denen ich aus gutem grund schon öfter berichtete, sind eine reise wert, die  kirche ist schön und groß, sie liegt von weither sichtbar mitten im dorf, wie es sich gehört, davor ein großer marktplatz, auf dem man parken darf und rundherum jede menge gastronomie für die angemessene nachbereitung!

Kommentare:

GZi hat gesagt…

Ich wünsche Euch viel Spaß und Erfolg. Stabat mater ist ein großartiges Werk, das ich sehr liebe! Wir haben leider Gäste zum Abendessen, sonst hätte ich meine Herren glatt gefragt, ob wir hinfahren wollen. ist schon einige Zeit her, dass ich es live gehört habe, aber ich habe eine Aufführung mit Helen Known aus Hamburg aufgenommen, die der NDR mal übertragen hatte.

zimtapfel hat gesagt…

Hach, das klingt toll! Ich fürchte nur, von hier ist es doch ein bißchen weit... Aber ich liebe Dvorák!