Freitag, 5. März 2010

alte kameraden.

meine alten freunde.
ihr seid dran. es muß sein.
wie lange haben wir zusammen gelebt...12 jahre? ihr habt mich über die berge getragen, über sommergeröll und durch tiefen schnee. tirol, vorarlberg, die karawanken, manch einen schwierigen pfad und einen langen lebensabschnitt habt ihr mit mir zurückgelegt.
in einem kleinen sportgeschäft in galtür hab ich euch gekauft, und dort haben wir später zusammen in der lawinenkatastrophe festgesteckt. zusammen geflogen sind wir, in einem graugrünen hubschrauber des österreichischen bundesheeres schwebten wir laut knatternd über das zerfetzte paznaun-tal zur auffangstelle landeck, wo es ein gutes frühstück gab, und wo man sich gegenseitig die damals noch nicht flächendeckend vorhandenen handys auslieh, um die angehörigen zuhause zu beruhigen. von dort aus erlebten wir gemeinsam die odyssee gen heimat im flüchtlings- und überlebenden-ICE.
und nun, viele jahre später, wieder ein gemeinsamer flug. dank eurer zu slicks plangelaufenen sohle. diesen winter hab ich euch noch das gnadenbrot gegeben, aber als ihr mir schließlich den boden entzogt und das treppenhaus in eine bobbahn verwandeltet, auf dessen granitenem grund ich hinternwärts gen abgrund raste, wußte ich, es ist zeit, abschied zu nehmen, euch jetzt, an eurem lebensende, zum ersten mal zu bündeln und nach dem schließen der containerklappe eine  treue träne aus dem augenwinkel zu wischen.
mit einem letzten aufseufzer aus tiefverschütteter herzenskammer nehme ich euch ein letztes mal in die hand. vielleicht kaufe ich mir ja mal ein neues paar-eure enkel sozusagen. vielleicht ja wieder in einem kleinen sportgeschäft in galtür.

Kommentare:

  1. Ach, Gesche, die wären vermutlich sowieso nicht mehr über den TÜV gekommen. Unterboden musste gemacht werden, Karrosserie gespachtelt, neue Reifen, nee, das hätte nicht mehr gelohnt.
    Aber ich kann die Trauer verstehen. Wenn man ein paar Schuhe so richtig gern gehabt hat, dann möchte man sich nicht trennen davon. (ist ein bisschen wie mit Partnerinnen, finde ich) :-)

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  2. wirklich wahr. die gehören zu einem wie ein körperteil :-((

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  3. Da wäre mir die Trennung jetzt aber auch schwer gefallen. Nach so langer Zeit und einer solchen gemeinsamen Geschichte.

    Ich hoffe, die nächsten wachsen dir genauso ans Herz, aber mit weniger dramatischen Ereignissen.

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  4. An den Sohlen muss es je eigentlich nicht scheitern, wenn man eine gute, beispielsweise Vibram-Sohle beim Schuhmacher ersetzen lässt. Bei meinen ausgedienten Wanderstiefeln waren meistens die ersten Löcher an den "Sollbruchstellen" aufgekommen. - Jedenfalls, ihr zwei: Möge euch ein schönes Schuhnirvana bevorstehen!

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  5. @ echt????? vibram?? welch ein unschätzbar wertvoller tipp!! noch sind sie da.und nebenan ist der schuster. da bring ich sie morgen hin, und wer weiß-vielleicht gibt es eine wiederauferstehung! das wäre ja eine riesenfreude :-)))) I let you know!

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  6. Ich könnte die wohl nicht wegwerfen.

    Lass VIBRAM sie retten!!!

    Büdde!!!

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  7. *schnüff* Das ist echt schön geschrieben!
    Hach, es gibt einfach so Schuhe oder auch Kleidungsstücke, die Dinge mit einem erlebt haben und einen durch Jahre hinweg begleitet haben, aber irgendwann fallen sie halt leider doch auseinander...

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  8. @ alle: morgen bin ich in der lutherstraße. morgen bring ich die schuhe zu karsten, dem shoemaker nebenan! der soll mir das vibram geben, und meine schuhe sollen weiterleben!!!!!! nix da nirvana im prosaischen container....

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  9. Ich bin froh, etwas für den Artenschutz getan zu haben!

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