Sonntag, 28. März 2010

clasen-koehler-quartett im hüttenkrug.

endlich mal wieder ein clasen-koehler-auftritt! diesmal in hütten. ohne gps kaum auffindbar, der kleine ort, der sich irgendwo zwischen eckernförde und owschlag versteckt, inmitten der nach ihm benannten hüttener berge. weit führt es uns über autobahnen und landstraßen, im übertrieben strömenden regen schwimmen wir gleichsam durch die hügelige landschaft, vorbei am brachliegenden"baumgarten" (jens und ute wenig begeistert von meinem vorschlag, da eine musiker-land-wg aufzumachen). wenige bis keine schilder zeigen hütten an, aber schließlich stoßen wir auf wir eine kleine straße dorthin, die sich durch wiesen und wälder schlängelt, uphill and downhill.  kaum drin im dorf, ist man -huch! - auch schon wieder draußen. aber schafft man es, rechtzeitig zu bremsen, sieht man zur rechten die wunderschöne backsteinkirche, umgeben von einem romantischen friedhof, und links des weges, malerisch in der kurve gelegen: der alte dorfkrug, heutzutage in  privater hand. dort warten werner und sigrun schmidt schon mit kaffee und kuchen auf uns. den ganzen tag war frühlingshaftes bombenwetter, aber jetzt im dauerregen ist es ungemütlich und kalt. umso dankbarer bin ich für die bullerige wärme der gigantischen steinöfen, die die jahrhunderte alten mauern des hauses wärmen. hier wird noch mit holz geheizt, und zwar ausschließlich-solange die gesetzeslage das noch zuläßt, wie der hausherr einräumt. der kleine saal hat ein weißgestrichenes hölzernes tunnelgewölbe und eine altmodische bühne mit dicken vorhängen aus rotem samt. alles richtig wie früher. dahinter liegt die aus mehreren ineinander übergehenden zimmern bestehende bibliothek, bücherwände soweit das auge reicht, und wiederum dahinter sigruns töpferwerkstatt. durch eine zweite tür gelangt man vom saal aus in die küche: terrazzoboden, antiker original-herd, sich bis zur decke aufstapelnde töpfe, kannen, teller und schalen aus der hauseigenen werkstatt.
die zeiten für livemusik, ob jazz oder klassik, sind nicht gerade rosig. öffentliche veranstaltungsräume sind schwer aufzutun. der trend geht zu privaten events wie hauskonzerten im weitesten sinne, und die sind meistens perfekt und sehr liebevoll organisiert. es werden leute direkt eingeladen, karten verkauft, es gibt brot, käse und wein. ich liebe das. das publikum ist aufmerksam und dankbar. das schönste kompliment erhielt ich hier von einer ex-kielerin, die es in dieses dörfchen verschlagen hat und die sich total freute: "ich glaub es nicht, ich gehe in hütten 200m zu fuß und bin in einem gesche-clasen-konzert."  nun würde ich die veranstaltungsreihe im hüttenkrug nicht unbedingt als hauskonzert bezeichnen, sondern es ist eine öffentliche veranstaltung mit ticketservice und allem komfort, wie aus der website (link oben)...weiterlesen....
hervorgeht. wir hatten ca.50 leute publikum, die atmosphäre war dicht, warm und gut. eine tradition des hauses ist, daß werner schmidt am anfang eine frage stellt, und wer sie richtig beantwortet, kann eine freikarte gewinnen. diesmal ging es um ein sonett, welches vom cover einer herbie-mann-lp stammte. die lohnende aufgabe des verlesens desselben fiel an aba, der kraft seines englischsprachigen hintergrunds dafür wie gerufen kam und der szenerie einen besonders internationalen touch verlieh ;-).
wir fühlten uns sehr wohl beim spielen, obwohl ich mit meiner frisch generalüberholten flöte zu kämpfen hatte, die mir im moment fremd an ohr und mund ist. am ende wurde die zugabe mit den füßen ertrampelt.  spät in der nacht saßen wir noch lange am ofen zusammen. werner erzählte von seinen reisen als orientalist und zeigte seine antiken fotoapparate. sigrun schmiß kurzerhand ihre töpferscheibe an, packte einen tonkloß drauf und fragte in die runde: "was wollt ihr haben? eine schale? einen becher?" - "einen becher",echote ich. dann entstand unter ihren töpfermeisterinnenhänden aber so etwas hohes, langes, und wir entschieden spontan um in eine vase. als die fertig war, ritzten wir alle unsere autogramme in das noch weiche material. (aba piekste natürlich ein loch rein-*schmunzel*). der krönende abschluß des abends war, daß der beste swing-drummer der westlichen hemisphäre, miele meletschus, sich unrettbar im matsch fest fuhr und alles schieben nichts half, so daß inmitten der nacht noch ein nachbar angerufen wurde, um ihn mit dem trecker rauszuziehen.....

Kommentare:

smilla hat gesagt…

oh wie gerne wäre ich dabeigewesen.
das klingt toll, musik, käse, wein mit aufmerksamen menschen.
im kleinen rahmen.
gestern war ich in der philharmonie hier in köln, und war aufs neue erschüttert vom grassierenden hustenzwang,
ehrlich, das macht mich wahnsinnig. und da verlässt mich auch die innere ruhe, ich finde es so unglaublich unachtsam.

yael hat gesagt…

@ smilla: hallo, wie schön, daß du mich hier besuchst :-) ja, ich weiß, was du meinst. das kommt wohl, weil die leute nicht mehr ruhig sitzen können und sich entspannen. die sind mit den gedanken schon wieder ganz woanders. ich hab diesen event auch sehr genossen, da fand noch ein richtiger austausch statt. ich mag so kleine systeme.