Donnerstag, 25. März 2010

lutherstrasse. gelbe räder und blaue zettel.

hier - hinter der scheibe- sieht man den postbüdel und die postbüdelin. einer ist für die lutherstraße zuständig, die andere für die kirchhofallee, und wo beider dienstwege sich kreuzen, befindet sich rein zufällig die café-bäckerei feddersen. persönlich bekannt ist mir nur er, der männliche postler. immer munter und guter dinge.oft treffen wir uns auf der straße oder im treppenhaus, und wenn er mich meine instrumenten-cases zum auto schleppen sieht, sagt er jedes mal: "na, geht's wieder auf konzertreise?" und ich sag jedes mal "jupp." obwohl das so gut wie nie stimmt, denn wann geht man schon auf konzertreise. aber darum geht's ja gar nicht, sondern nur um den plausch und die guten vibes in unserer straße. neulich hatten wir allerdings eine längere unterhaltung. der postmann stand da wie angenagelt neben seinem gelben postbike und wartete, bis ich die straße raufgelaufen war und vor ihm stand. er war ziemlich außer sich. "sagen sie", hub er an, "sie bekommen doch auch immer so viele cds und bücher."- "äh, ja, stimmt...." sagte ich. -"da muß was passieren! sie müssen ihrem vermieter mal sagen, er soll ihnen mal einen ordentlichen briefkasten anbauen! nie passen die sachen da rein! der soll mal 500 euro springen lassen, dann müssen nicht immer alle leute zur hauptpost, um ihre sachen abzuholen". aufgeregt fuhr er mit erhobenem zeigefinger fort: " laut postgesetz paragraph fünfhundertsiebenunsechzig b   ist der viermieter dazu verpflichtet, dem mieter einen freien zugang zu seiner post zu ermöglichen. gucken sie mal hier-" er sticht ein paarmal mit dem zeigefinger in richtung eines korbes hinten auf dem gepäckträger, voll mit amazon-und sonstigen großformatigen päckchen. "das ist jeden tag so. jeden tag dasselbe. jeden tag schlepp ich das alles zurück, weil hier kaum mal jemand einen zeitgemäßen briefkasten hat. und weil ich das sonst nirgends abgeben kann, weil ja niemand im haus ist, und man die leute ja auch nicht immer belästigen mag, muss ich dann wieder den weg des blauen zettels gehen!" ich sage: " also, die sachen für mich können sie bestimmt einfach vor meine tür stellen." er starrt mich an - was ich da gesagt habe, geht komplett gegen seine postboten-ehre. er weiß gar nicht, was er sagen soll, der gedanke rüttelt an seinen grundfesten. er schüttelt den kopf mit der blauen strickmütze. "nein, also...nein...das geht nicht, das ist auch laut paragraph siebenhundertachtunddreißig gar nicht erlaubt." dann sag ich nochwas schlimmeres: "oder einfach unten auf den briefkasten stellen?" blankes entsetzen in seinem entgeisterten gesicht, und erst nach einer sprachlosen pause preßt er mühsam hervor:. "nein, also das geht überhaupt nicht, bei dem durchgangsverkehr!"  ich kleine ideenmaschine laufe zur hochform auf: "und wenn sie es einfach in der arztpraxis abgeben?" -"das mag ich auch nicht tun, die sind zwar nett, aber die sind doch keine postannahmestelle!" okay, okay....ich seh schon, ich bin ihm keine große hilfe. ich verspreche ihm, meinen vermieter anzuhauen, sollte ich ihm mal begegnen.
ich hab meinen vermieter nicht gesehen, den seh ich nie, der wohnt auch gar nicht hier. aber mein bestellverhalten hat sich geändert. ich lasse die sachen jetzt dorthin liefern, wo jemand zuhause ist, oder  zu bestimmten daten. oder ich geh mal wieder in einen richtigen buchladen und unterstütze einen local dealer. so richtig mit beratung, weichem teppichboden und buchgeruch um mich herum. wo ein ausgepacktes exemplar schon leicht angegrabbelt zur ansicht oben auf dem stapel liegt und man beim geschenkverpacken zugucken und sich immer wieder wundern kann, warum man das nie so schön hinkriegen wird. so wie neulich in quickborn, wo ich in der buchhandlung mit dem wohlklingenden namen "selma theophil" blätternd versank, während hinter meinem rücken in etwa so gesprochen wurde: (kundin:)"ach, ich bin nur vorbeigekommen, um ihnen zu sagen, wie wunderbar ihr tipp von neulich war, das war ganz genau das richtige für mich!" -(buchhändlerin:) "na, das freut mich aber. hier hätte ich übrigens wieder was, was sie vielleicht interessieren könnte..." tja, das kann amazon's  virtueller "blick ins buch" nicht ersetzen....
und somit hab ich den lieferverkehr zu meiner wohnung  etwas entlastet und ich hoffe, daß da, wo lutherstraße und kirchhofallee sich kreuzen, sich bei einem choco-cappuccino über die angenehmen seiten des postbüdel-und sonstigen daseins unterhalten wird :-)

Kommentare:

  1. mutzi, deine mama ist stolz
    auf dich
    was du alles kannst...........

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  2. Herrlicher Post. Ich hatte richtig Kopfkino zum Morgenkaffee. *hihi*

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  3. @ he mami, super! du hast die kommentarfunktion entdeckt, das ist eine große freude für mich!!!!
    @ sudda: danke dir für das feedback und super, wenn ich weiß, mir ist etwas unterhaltendes gelungen :-)))

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  4. Was wären wir nur ohne unsere fleißigen Postboten?

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  5. Was für eine schöne Geschichte - gibt es noch eine Fortezung? Vielleicht mit der Postbotin und dem Postboten im Stehcafe - ich find die Fahrräder sehen schon sehr vertraut miteinander aus...:-)

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  6. Fortsetzung..*argh*

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  7. Find ich klasse. Ich kaufe auch gerne wieder "direkt" im privatem Buchhandel.
    Ich hoffe, er bleibt uns auch zukünftig erhalten!

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  8. Also, ich finde, man sollte diesem gewissenhaften Postboten mal eine schöne CD von amazon schenken! Vielleicht was von The Irish Coffeé Band oder so?

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  9. @ ach, ich freu mich so, daß ihr mich so motiviert! jetzt fang ich schon an, an allen ecken und enden geschichten zu wittern. geschichten schreiben bringt spaß!

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